Mittwoch, 22. Februar 2017

Schwangerschaft die Zweite und ich bin 39

Die Überschrift meines aktuellen Posts nach so langer Zeit impliziert mindestens zwei Seiten. Große Freude und Glück einerseits, Verunsicherung und Ängste andererseits. Und ich behaupte damit nicht, dass mein Alter ein Abonnement darauf hat. Unsere erste Tochter Fritzi ist nun bereits drei Jahre und vier Monate alt. Es ist schön, Ihre Mama sein zu dürfen, ein Elternteil geworden zu sein. Ich schaue sie an und freue mich, bin glücklich und hab ein Lächeln im Gesicht, wenn ich an sie denke. Jedoch ich kann ganz klar sagen, dass ich mir vorher wirklich kaum vorstellen konnte, wie es denn nun wirklich ist, wenn man dann Mutter ist, Teil einer Familie. Die Verantwortung ist so riesengroß, eine oftmals scheinbar so schwer zu bewältigende Aufgabe, dass Aufgeben so verführerisch klingt und sich Zweifel in die Gedanken einschleichen. Wie oft habe ich mich gefragt, ob ich ausreichend gut bin, ob und was ich richtig mache, welchen Einfluss mein Verhalten auf mein Kind hat, ob wir als Eltern gut sind, ob unsere Tochter erreicht, was wir uns denken und dies dann auch richtig für sie ist? Warum die anderen es so oft scheinbar leichter haben, mehr schlafen können, viel entspannter sind, die Entwicklung ihrer Kinder scheinbar ein müheloses Unterfangen ist, Freizeit, Familie, Arbeit und alles andere unter einen großen Topf passt, ohne zwängen zu müssen. Bloß gut, dass wir mit unseren Aufgaben, aller Verantwortung und Liebe jeden einzelnen Tag wachsen und das Leben zum Lernen ganz gut taugt.
Im September des letzten Jahres sprachen wir darüber, dass ein zweites Kind doch ganz schön wäre, wir uns aber nicht festlegen wollen, da unser Lebensmodell aus unserer Sicht einiges an Unsicherheiten beinhaltet, die bedacht werden wollen. Ich habe diesen Blog mal als Neu Assistenzärztin begonnen und durch Geburt des ersten Kindes und Elternzeit hat sich die Assistenzzeit verlängert, seit ein paar Monaten bin ich quasi mit dem klinischen Ausbildungsteil fertig, bzw. habe ich sogar ein paar mehr Monate als nötig, es fehlten noch Stunden in der Lehranalyse. Mein Mann ist freischaffender Künstler und hat einen Job, der ein Grundeinkommen zur Absicherung seiner Ateliermiete und Sozialleistungen bietet. Wir schaukeln uns durch das Leben und es geht uns gut, aber es kann durchaus auch mal etwas enger werden, bisher haben wir jedoch stets alles gut gemeistert. Nachdem wir uns klar waren, dass es ein zweites geben kann, bekam ich Zweifel und die bezogen sich offensichtlich nur auf finanzielle Aspekte, dahinter standen jedoch vor allem Ängste bezüglich vielerlei Aspekte, die jede Frau kennt, die Mutter ist, wird, plant zu werden. Klappt das mit der Schwangerschaft, bin ich gefrustet und kann dann kaum damit umgehen, wenn nicht, wie wird sie sein, die zweite Schwangerschaft, kann ich arbeiten, was wird mit meiner Facharztprüfung, wird unser Kind gesund sein, was werden unsere Familien sagen, wie kommt das bei der Arbeit an, was sagt Fritzi, die dann eine große Schwester wird und uns teilen muss, wie wird die zweite Geburt, wie wird wohl unser Baby sein, schaffen wir das als Paar, als Eltern, schaffe ich das, kann ich das, will ich das...?

Beim Schreiben fallen mir immer mehr Fragen ein, die am Ende auch zeigen, dass das Leben bedacht und reflektiert werden will, wenn auch niemals alles in Gänze geplant werden kann. Welche ein Glück eigentlich, denn Weihnachten bescherte uns das Leben mit besonders viel Glück. Seit 11 Wochen bin ich nun schwanger und bei allen körperlichen Beschwerden bin ich glücklich und voller Vorfreude. Es ist anders, als in der ersten Schwangerschaft und ich bin froh, dass ich diese Erfahrung noch einmal neu, vielleicht auch anders machen kann, mich, das Leben, uns, alles was damit zusammenhängt, noch einmal anders betrachten darf.

Vielleicht ist dies hier ein erneuter Anfang, Zeilen zu hinterlassen, vielleicht wird es gelesen und findet Anklang. Mir selber wird es als Tagebuch dienen und etwas zu verbalisieren, kann nicht falsch sein.

Bis bald, J.


irgendwann 2010***

Donnerstag, 24. April 2014

Welttag des Buches

Obwohl dafür in der jüngsten Vergangenheit eher weniger Zeit war und sich an diesem Umstand in Zukunft auch eher weniger ändern wird, bin ich zuversichtlich, dass die Zeit kommen wird, wo ich mit etwas mehr Freiraum wieder ein gutes Buch in die Hand nehme, mich darin vergrabe und die Geschichte darin sich zu Bildern in meinem Kopf formt. Das klingt aktuell etwas sehr pathetisch, ist jedoch dem Umstand geschuldet, dass man die wenige Zeit, die man für sich allein hat als NEU MAMI mit so wichtigen Dingen, wie Wäsche waschen, Spülmaschine ausräumen, Emails beantworten, Einkaufen und wenn ein Buch hier dann eher mit Fachliteratur verbringt.

Am gestrigen Welttag des Buches wollte Zeit Online drei Dinge wissen und ich fand das ganz passend, diese Fragen hier zu beantworten und diese per Blog an mögliche Lesende weiterzugeben.

1. Was ist Ihr Lieblingsbuch?
Mhm, das ist doch irgendwie doof, ich kann mich bei all dem wunderbaren, was die Literatur zu bieten hat einfach nicht auf nur eines beschränken. Es gibt in meiner Bücherwand Favoriten, die von Zeit zu Zeit neu gelesen und erfahren werden. Manchmal hole ich meine Lieblinge auch einfach nur für ein paar Momente aus dem Regal, lese zwei, drei Seiten, streiche über den Einband und stelle das Buch zurück. Ein gutes Gefühl...
Eines meiner favorisierten Bücher ist, und damit mache ich mir zumeist eher weniger Freunde, die meisten verziehen das Gesicht und erinnern sich an dröge Deutschunterrichtsstunden, Effie Briest von Theodor Fontane. Ich erinnere mich sehr genau, wir hatten eine Vertretungslehrerin für eine gute Weile und sie las mit uns Effie Briest. Leider war ich tatsächlich die einzige Schülerin, die ausreichend Enthusiasmus aufbringen konnte und dieser Enthusiasmus ist für Effie, Major von Crampas und Fontane bis heute geblieben. Mag sein, dass ich im allgemeinen eine große Vorliebe für tragische Liebesgeschichten vor dem Hintergrund der jeweils aktuellen gesellschaftlichen Situation hege. Fontane, ein Vertreter des poetischen Realismus, verstand es hervorragend die jeweiligen Charaktere zunächst gesellschaftskonform im Verlauf jedoch entgegen der Zeitvorstellungen agieren zu lassen, dabei traten deren eigentliche Lebensvorstellungen zutage. Kritik im Privaten wurde somit zur Kritik an der Gesellschaft.

2. Welches Buch müssen Sie noch unbedingt lesen?
Ganz sicher sehr viele und von den meisten weiß ich noch gar nichts.
Aktuell liegt hier Peter Nadas' Parallelgeschichten, ein Lesebuch für Leseangeber, denn die Vielzahl an parallel laufenden, zumeist nicht zusammengehörenden Geschichten, machen es beinah unmöglich, dieses Buch zu lesen, zu lieben, zu begreifen und doch habe ich den festen Willen, dies zu tun. Nicht zuletzt hat dieses Buch eine Literaturquelle gelesen, derer ich Vertrauen schenke.
Angelesen habe ich Maxim Leos`Haltet Euer Herz bereit und es hat mich noch nicht ganz fesseln können, jedoch kam ja auch die Geburt unseres kleinen Mädchens dazwischen. Ein guter Grund also ein Buch zu Seite zu legen. Maxim Leo berichtet von seiner Kindheit in der DDR und das ist etwas, was mich mit ihm verbindet. Schon eine geraume Weile beschäftigt mich diese Thematik, welche sich zu einer Identitätssuche entwickelt hat. Dazu an anderer Stelle ganz sicher mehr.

3. Welches Buch würden Sie niemals in die Hand nehmen?
Diese Frage macht mich etwas ratlos, da mir keins einfallen mag. Ich habe Bücher sehr gern und sicher gibt es einige, die mir nichts sagen, mich nicht berühren, deren Inhalt einfach an mir vorbeigeht, die ich nicht lesen will, weil ich deren Aussage womöglich abscheulich finde und, und, und...
Was ich tatsächlich nicht so gern mag, ist es aktuell populäre Bücher zu lesen. Bestenlisten habe ich mir noch nie angeschaut und ein Buch wird gelesen, wenn die Zeit dafür reif ist. Für manche, so scheint es, ist sie dann eben niemals reif.

Mich würde schon interessieren, was der oder die Lesende denkt?
J.

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Mittwoch, 16. April 2014

Weil es nun beinah sechs Monate sind...

wird es so langsam Zeit, von Deiner Geburt zu berichten. Um werdenden Mütter, die Chance zu geben, unbeeinflusst, Ihre Erfahrungen zu machen, vorab ein paar Zeilen.

Ich selber habe wirklich nur ein paar wenige Geburtsberichte gelesen, denn mir wurde sehr schnell klar, einfach jede Geburt ist ganz individuell und egal, wie man es sich vorstellt, es kommt dann doch weitgehend anders. Man kann und darf sich vorbereiten, aber darüber habe ich ja bereits berichtet. Soweit möglich, helfen Entspannung und Aktivierung der inneren Freude auf das, was kommt, auf das Wunder, welches tatsächlich alles übertrifft. Fragt Euch, ob Ihr wirklich einen weiteren Geburtsbericht lesen wollt oder ob Ihr Euch das nicht für Mußestunden;) danach aufheben möchtet.

Errechnet war Dein Geburtstermin nach einer ersten frühen Korrektur für den 16.10.2013. Der Termin kam heran, aber Du zeigtest wenig Hinweise darauf, dass Licht der Welt erblicken zu wollen. Mit jedem Tag näher an den 16.10. heran, wurden wir neugierig darauf, wie Du wohl aussehen würdest mein liebes kleines Mädchen. Ein letzter CTG Kontrolltermin am errechneten Termin in der Praxis meiner Gynäkologin verlief gut und ohne echte Auffälligkeiten, nur solltest Du etwas an Größe abgenommen haben, was per Sonographie eher sehr unzureichend bestimmt werden kann, jedoch hinreichend als Grund für eine Überweisung in die Klinik herhalten sollte.
Am Sonntag, dem 20.10.13 stellten wir uns planmäßig um 13 Uhr zum Kontroll CTG vor. Wehentätigkeit wurde hierbei zwar aufgezeichnet, aber gemerkt habe ich davon einfach nichts und muttermundwirksam waren diese leider auch nicht. Gehen durfte ich dann jedoch auch erst nach einigen Stunden, da Deine Herzfrequenz langanhaltend erhöht war, was am Flüssigkeitsmangel lag und alsbald durch Infusionsgabe ausgeglichen war. Ein weiterer Termin wurde für den kommenden Morgen 08:00 vereinbart. Wir nutzten den Heimweg für einen langen Spaziergang zum Abendessen. Bereits nach einer Viertelstunde Fußweg bekam ich dann plötzlich Wehen, welche spürbar wurden, rasch zunahmen und sich als sehr regelmäßig anfühlten. Beim Essen maßen wir die Abstände und wurden von dreieinhalb Minuten doch sehr überrascht. Vor lauter Aufregung konnte ich nun kaum mehr etwas essen, mein Bauch sagte mir nun recht deutlich, dass Du dieser Welt Guten Tag sagen wolltest. Wir riefen in der Klinik an und berichteten von den aufgetretenen Änderungen, liefen nach Hause, holten die Tasche und fuhren erneut in die Klinik. Hier wurden wir wieder sehr nett Willkommen geheißen und die Untersuchung ergab 2 cm Muttermundseröffnung. Da es jetzt nun doch recht schnell dazu gekommen war und meine Schmerzen weiter zunahmen, sollte ich aufgenommen werden, jedoch vorab noch etwa anderthalb Stunden spazieren gehen. Bei unserem Weg durch die nähere Umgebung musste ich mich dann immer wieder an Deinem Vater festhalten und so langsam auch einzelne Wehen veratmen. Uns blieb in den Pausen immer noch genug Raum zum Lachen, denn wir gaben ganz sicher ein seltsames Bild ab und auch jetzt, während ich dies hier niederschreibe, habe ich ein Schmunzeln auf den Lippen.
Zurück in der Klinik wurde ich erneut untersucht, am Muttermund hatte sich nun nichts mehr getan, ich erhielt ein leichtes Schmerzmittel und wurde gebeten, im Zimmer auf der Wöchnerinnenstation etwas zu schlafen, Dein Vater ging nach Hause, sollte sich ausruhen und vorbereiten. Mittlerweile war es etwa 23:30. Im Zimmer angekommen, packte ich aus und konnte mich dabei schon kaum auf den Beinen halten, legte mich ins Bett und hielt es auch dort nicht aus, lief auf dem Flur hin und her und ward doch sehr überrascht von der Qualität des Schmerzes. Ich gebe auch heute noch ganz offen zu, dass ich das so nicht erwartet hatte. Ich ging wieder in den Kreissaal. Eine erneute Untersuchung ergab keine Änderung, ich erhielt ein i.m. Schmerzmittel und ging zurück. Die Nachtschwester massierte meine Lendenwirbelsäule und ich lächelte verhalten einer sich ebenfalls auf dem Flur der Ankunft ihres Babys wegen befindlichen Mami zu. Nach nur kurzer Zeit nahmen die Schmerzen weiter zu, ich ging noch mal zum Kreissaal und siehe da, nun hatte sich doch tatsächlich etwas am Muttermund getan. Die Hebamme rief Deinen Vater an, während ich bereits im Kreissaal lag. Inzwischen hatte ich mich doch für eine PDA entschieden, denn die Schmerzen hatten mich so überrascht, dass ich einfach keinen guten Weg finden konnte, mich darauf einzulassen. Dies zog sich etwas, inzwischen war dann auch Dein tapferer Vater eingetroffen. Zwischenzeitlich platzte auch meine Fruchtblase, zumindest teilweise.
Die Aufklärung zur PDA ging dann ganz schnell vonstatten und vom Druck oder Schmerz der Nadel war kaum etwas zu spüren. Die PDA half mir etwa eine Stunde den Wehenschmerz zu veratmen, dann nahm der Schmerz wieder zu und leider kam die schon aus den ersten Wochen der Schwangerschaft bekannte Übelkeit hinzu. Nun ja, auch diese verging und die Stunden ebenfalls, aber Du wolltest noch nicht so recht heraus. Was mein Zeitgefühl anbelangt, waren die vergehenden Stunden für mich kaum messbar und irgendwann konnte ich auch viele andere Dinge nicht mehr so recht wahrnehmen, da ich einen inneren Dialog mit meinem Körper führte. Meinen Mann nahm ich nur durch seine Berührungen war, meine Augen waren zumeist geschlossen. Bei Tageslicht und nach Schichtwechsel der Hebammen füllte sich dann auf einmal der Kreissaal und Kolleginnen im Kittel waren zu sehen. Aus den Augenwinkeln sah ich eine Saugglocke und meine Gedanken überschlugen sich, erst "Oh Gott die Saugglocke" dann "Nun kommst Du gleich und wir haben es geschafft". Warum ich meine ganz "Wut zusammennehmen sollte, um zu pressen" habe ich bis heute nicht verstanden, aber innerhalb dreier Wehen kamst Du auf die Welt mein kleines Babymädchen. Du mein geliebter kleiner Schokoladenkuchen. Du warst ganz leise und ich plötzlich auch. Dein Papa übernahm nach unser beider körperlicher Erstkontakt die Versorgung zusammen mit der Hebamme und dann konnten wir uns endlich ausgiebig erfühlen. Du hattest Haare mein Mädchen, ein Fakt den Dein Vater und ich immer wieder mal diskutiert hatten, Du wirktest so zerbrechlich, Dir war nicht nach Schreien zumute und Du lagst ganz friedlich zusammengerollt in meinen Armen. Das werde ich niemals vergessen und es war der Beginn der zweiten großen Liebe meines Lebens. Der Liebe zu Dir mein kleines Mädchen.

Der Vollständigkeit halber, kann ich zur Nachgeburt noch berichten, dass diese unmittelbar nach Deiner Ankunft meinen Körper verließ und das ganz ohne Schmerz und vollständig.

Nun waren wir zu dritt und sind in den letzten Monat mit Dir gemeinsam zusammengewachsen. Die Liebe ist so groß und wächst mit jedem Tag, den wir mit Dir verleben dürfen weiter, nimmt an Qualität zu und lässt uns zu oft staunen über das, was Leben ist.

Danke dafür, Deine Mama.




Freitag, 28. März 2014

Und dann ist es plötzlich soweit...

...und ich schreibe meinen nächsten Blogpost und zwar darüber, wie wir uns auf den Tag der Geburt vorbereiteten.

Im Hinblick auf das große Ereignis entschieden wir uns für einen ausführlichen Geburtsvorbereitungskurs. Ursprünglich hatten wir eine  Wochenendschnellbesohlung;) buchen wollen, jedoch war kein Platz mehr frei.
Unser Kurs bei Fokus Leben fand an insgesamt fünf Abenden statt. In der ersten Stunde konnten die werdenden Mütter sich entspannen und wir besprachen die verschiedenen Atemtechniken und übten diese in einer sehr offenen, gar nicht seltsam anmutenden Atmosphäre. Es war Raum für Unsicherheiten, Gekicher wegen der komischen Dinge, die man da macht, Fragen in Bezug auf diese Techniken und deren Einsatzmöglichkeiten. Im zweiten Teil kamen die Väter hinzu und wir besprachen die einzelnen Phasen der Geburt, übten das, was man gemeinsam tun kann, beschäftigten uns mit Fragen zu Schmerzen, dem was man erwartet und dem was sich ändert für einen selber, als auch für jedes einzelne Paar. Die Hebamme Anne Schwarz kann ich für diesen Kurs sehr empfehlen. Sie ist erfahren, ruht in sich und führte uns entspannt durch diese Erfahrung. Ich hatte ja vorab schon einige Vorbehalte und wollte auf keinen Fall mit Esoterik, orangen Wandbehängen etc. konfrontiert werden und wurde absolut positiv überrascht. Auch der werdende Vater konnte am Ende resümieren, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, sich für diesen Kurs entschieden zu haben. Er hatte sich vorab gar nicht so viele Gedanken gemacht und hatte durch diesen Kurs, konfrontiert mit dem, was auf uns wartete, die Chance, sich eine Meinung zu bilden, eine Haltung zur Geburt und seiner Aufgabe dabei zu entwickeln. Das empfand er als eine Bereicherung und es half ihm letztlich, sich etwas einstellen zu können.
Bei der Frage nach dem Krankenhaus für die Entbindung, verließen wir uns auf unser Bauchgefühl. Beide wollten wir nicht ins Geburtshaus. Da ich selber Ärztin bin, ist es für mich ganz natürlich in einem Krankenhaus zu sein, ich habe keine Berührungsängste mit medizinischem Personal und Geräte kann ich ausblenden. Um mich gut zu fühlen, war es mir wichtig, meinen Mann dabei zu haben. Wir wollten ursprünglich ein paar Krankenhäuser besichtigen, bevor es jedoch dazu kam, fiel ich im August die Treppe herunter und musste für eine Nacht in die Klinik zur Überwachung. Ich empfand die Atmosphäre und Versorgung in dieser Klinik entspannt und hatte ein so gutes Gefühl, dass die Entscheidung somit getroffen war.
Die Kliniktasche packte ich erst kurz vor dem Termin, dazu hielt ich mich an die Empfehlungen aus dem Netz. Ich kaufte mir sogar ein Nachthemd, was vollkommen sinnentleert und nutzlos war, weil zu eng. Ich trug im Krankenhaus das übliche Gewand und fand es vollkommen passend und sobald ich nur ansatzweise stehen konnte, war ich duschen und trug wieder meine private Kleidung.
Ansonsten las ich ein paar Geburtsberichte sowohl aus Sicht der Mütter, als auch der werdenden Väter. Mir war klar, dass keine Geburt, wie die andere ist und man nicht wirklich erahnen kann, wie es sein wird. Ich sprach auch mit meiner Mama und sie berichtete mir wieder und wieder geduldig von ihren eigenen Erfahrungen. Somit fühlte ich mich ausreichend vorbereitet und gestärkt.

Wie es nun letztendlich war, berichte ich ganz bald.
Ein entspanntes Wochenende im fast Frühling.
J.


Montag, 10. Februar 2014

Nimm Dir Zeit

....und genieße Die 9 Monate, soweit es nur irgend geht. Ob alleinstehend oder als Paar, es ändert sich so vieles und etwas, von dem wirklich sehr wenig übrig bleibt ist, Zeit zu zweit oder Zeit allein. Und das habe ich irgendwie immer geglaubt, wenn es mir erfahrene Mamis berichteten. Dabei macht mich das nicht traurig, aber gelegentlich sehne ich mich nach etwas mehr Zeit ganz für mich, etwas mehr Zeit ganz für uns als Paar und das auch wenn wir unendlich liebende Eltern sind und es lieben, Eltern zu sein.
Obwohl ich mit einer Pause bereits vor Beginn des Mutterschutzes haderte, da ich gern arbeite und das Gefühl bekam, ich sei nun weniger "nützlich", konnte ich nach einer Weile der Eingewöhnung dem Ganzen dann doch etwas abgewöhnen. Immerhin konnte ich somit den Sommer Zuhause verbringen, lesen, Serien schauen, träumen, mir Gedanken machen, viel nützliches und manch unnützes, aber schönes fürs Kindlein erwerben. Der Papa in spe und ich unternahmen viel mehr, als sonst schon, zusammen. Es gab haufenweise Kinodates, Essensverabredungen, stundenlanges Geschwatze darüber, was uns erwarten würde, gemeinsame Zeit bei Kontrollterminen bei meiner Gynäkologin, es wurde 1000 und ein 1 Bauchfoto gemacht, Pläne geschmiedet, wie es mit unserer Vorstellung vom Leben weitergehen würde, wir haben uns großartig immer wieder darin bestärkt, dass wir alles schon richtig machen würden und sind bei all dem weiter zusammengewachsen.

Sommer 2011





Dienstag, 28. Januar 2014

Alles hat ein Ende

... auch die fürchterlichste Übelkeit vergeht und so konnte ich wieder meinem gewohnten Alltag nachgehen, arbeiten und auch endlich wieder gut essen.
Die Schwangerschaft schritt voran und wir verkündeten die tolle Neuigkeit allmählich im Familien- und Freundeskreis. Dabei entschieden wir uns gegen jegliche Geheimniskrämerei und verkündetet bereits die Namenswahl für das jeweilige Geschlecht. Fritzi, für ein Mädchen und Friedrich für einen kleinen Jungen.
Ja, ja das Geschlecht, das ist so eine Sache, vor allem für den Mann des Hauses. Er war fest davon überzeugt, dass es ein Junge werden würde. Jedes Gespräch darüber, dass ja nun immerhin auch eine 50 % Chance bestünde, dass wir ein Mädchen erwarten würde, wurde jäh unterbrochen und der Mann verkündete, es würde ein Junge, er wisse das ganz genau. Und so brauchte er dann doch eine Weile, als ich ihm verkündete, das Sono sei dafür, dass wir ein kleine Mädchen bekommen. Wir haben dann über seine Wünsche und Erwartungen in Bezug auf das Geschlecht gesprochen und spätestens seit der Geburt ist er der beste Mädchenpapa, den man, den ich mir vorstellen kann. Eine Freundin hatte ihm nach einer von kleinen Kindern gut besuchten Hochzeit im September bereits prophezeiht, dass er ein solcher werden würde. Auch wenn natürlich in erster Linie zählt, dass das kleine Wesen gesund ist und sich gut entwickelt, ist die Geschlechtsfrage eben doch ein Thema. Ich selbst habe mir insgeheim auch am ehesten ein kleines Mädchen gewünscht. Und ich kann nicht genau sagen, was der Ursprung dafür ist. Ganz sicher, dass ich eine Frau bin, auch dass ich es mag, Mädchendinge zu machen, ohne dass mein Leben ausschließlich davon bestimmt wird. Aber vielleicht eben auch, weil ich großen Respekt vor guten und starken Frauenfiguren habe und mir für mein kleines Mädchen so viel gutes in ihrem Leben vorstellen kann.

Einen schönen Sonntag, J. 



Kinder folgen keinem Maßstab

Da ich nicht mehr zu den in den 20ern Mamis gehöre, standen bei uns im Verlauf der Schwangerschaft die Fragen nach weitergehenden diagnostischen Untersuchungen an. Dabei erwies es sich eben nicht unbedingt von Vorteil selber Ärztin zu sein. Ich verließ mich eine gute Weile auf mein sehr gutes inneres Gefühl und verdrängte all die Sorgen, welche im Zusammenhang mit der großen Frage nach der Gesundheit des kleinen Wesens zusammenhängen. Mein Bauch sagte mir, Baby ist gesund und munter, hat 10 Finger und 10 Zehen, die Nase ist dran und alles andere stimmt auch.
Der Besuch beim Feindiagnostiker wurde als eine Art Kür angesehen und als ein Tag an dem der Vater in spe sein kleines Kind mal fast scharf sehen könne. Nach der Untersuchung eröffnete uns der Kollege, dass soweit alles gut sei, jedoch gebe es eine deutliche Auffälligkeit und eine, weniger auffällige. Auffälligkeit Nr. 1 könne er nicht ignorieren und diese würde unsere Wahrscheinlichkeit, eine Kind mit einer Trisomie auf die Welt zu bringen, deutlich erhöhen. Plastisch machte er diese Infos anhand einer Exceltabelle.
War das ein ekelhafter Moment. Mein Kopf begann mit meinem Bauchgefühl zu streiten, schimpfte drauflos und begann die Gefühle durcheinander zu wirbeln. In den kommenden Tagen hatten wir Zeit, alles zu bedenken und zu besprechen. Dabei erwies es sich von großem Vorteil, dass wir mit einem sehr engen Freund auf eine kurze Reise gingen und diverse Standpunkte erörtern konnten. Sollen wir weiter Diagnostik vornehmen lassen, reicht eine genetische Beratung, sollen wir alles so lassen, wie es ist? Was bedeutet ein Kind mit Trisomie, was eines ohne? Können wir das schaffen? Wollen wir das schaffen? Was macht das mit unserem Leben? Was macht das mit unserem Lebensentwurf? Was bedeutet das für eventuelle weitere Kinder?
Dabei war wieder mein Arztdasein die eher abschreckende Komponente. Ich arbeite als Ärztin in Weiterbildung für Psychiatrie und Psychotherapie und in den Bereitschaftsdiensten versorgen wir die gesamte Klinik inclusive einer Station für körperlich und geistig eingeschränkte Menschen, welche zusätzlich psychiatrische Diagnosen aufweisen. Ich bin sehr gern in der Nacht dort, denn ich bewundere die Arbeit des Personals auf dieser Station sehr und viele Patienten sind einfach herzerwärmend. Nichts desto trotz erlebe ich auch dort mal Grenzsituationen, welche Angst machen und uns an unsere Grenzen bringen. Eine sehr einprägsame war mit einem jungen Mann, welcher eine Trisomie 21 aufwies. Was ich da erlebte, hat mich lange beschäftigt.
Im Gegensatz dazu, ist mir eine Patientin aus meinem Praktischen Jahr in Erinnerung, welche für die Trisomie 21 eher ungewöhnlich, bereits Ende 50 war und in der Klinik für Innere Medizin zu diesem Zeitpunkt behandelt wurde. Ich werde nie vergessen, wie sie jeden Morgen zur Visite fröhlich vom Bett sprang und mich nach einigen Tagen begann, zu umarmen. Das war so warm und echt, einfach schön.
Unsere ganz persönlichen Entscheidungen hinsichtlich weiterer Diagnostik und sich daraus ergebenden Folgen, möchte ich hier nicht niederschreiben. Nur so viel, unsere Tochter weist keine Trisomie auf und nach der Schwangerschaft erfuhr ich von meiner Schwägerin, dass deren kleiner Sohn, heute drei Jahre alt, die gleiche Auffälligkeit in der Feindiagnostik zeigte. Er hat ebenfalls keine Trisomie.

Wir respektieren jede Familie und deren Entscheidungen und sind fest davon überzeugt, dass ein jeder diese nur für sich selbst treffen kann. Gute, echte Freunde zu haben und eine Familie, die unterstützt, helfen dabei ungemein.

Einen schönen Dienstag, mit Schnee in B.

J.