Dienstag, 26. Januar 2010

Es ist noch kälter...

...und ich finde es reicht jetzt. Die derzeitig sehr eisigen Temperaturen ertrage ich nur mit eigentlich unkleidsamen Schuhwerk. Reicht!Wirklich!

Ich habe heute gelernt, konsequent strenger zu sein. Patienten wollen zu oft mit einem verhandeln und dabei gehen sie durchaus strategisch vor. "Wenn ich heute 500 g mehr Brot esse, darf ich dann mit raus? Bitte!!" Patient x wiegt 32 kg bei 1,62m und ist bei uns, weil sie die Psychotherapiestation in ihrem derzeit desolaten Zustand nicht aufnehmen möchte. Jedes Gramm mehr ist ein wahrer Kampf und für jedes Entgegenkommen beim Essen möchte Patient x ein Zugeständnis unsererseits. Das Ganze dann auf dem Gang zwischen vorbei laufenden Patienten, Pflegepersonal, welches die Ohren spitzt und die Anfängerin nur zu gern immer wieder auf die Probe stellt.
Nein, konsequent bleiben. Eine Scheibe Brot mehr, heute, kann nicht der Grund für Ausgang sein, wenn ich keine nur etwas länger dauernde Änderung sehe.
Patient y steht vor der Tür und möchte unbedingt gehen. Y hat eine diagnostizierte Schizophrenie und kam wegen Angst und Panikempfinden. Es ginge y nun gut und hier auf Station sei kein Leben und draussen, ja da sei ja der Mitbewohner und der kümmere sich. Ja und Stimmen, die sind doch im Moment gar nicht da....während der Blick nur kaum merklich gehalten werden kann. 24 h reichen mir nicht, ich will beobachten und sehen...was ist, wenn wieder die Angst kommt und die Bewältigungsressourcen erneut nicht reichen? Nebenbei y ist pro Jahr 5 mal da.

....

Ich werde jetzt herrliche Dinge essen und den Abend zum Entspannen nutzen.

Vom Apfel in die Küche.
Ahoi
J.


video

Montag, 25. Januar 2010

Der Müßiggang...



...ist nun vorüber. Ab dem morgigen Tage heißt es wieder, fleißig sein.

Es ist eisig da draussen und ich habe schon kleine Eisblumen am äußeren Fenster. Jedoch kommen Sonnenstrahlen übers Dach geflogen, um dem langen Darben versehen mit all dem Grau am Himmel, ein ersehntes Ende zu bereiten.

Gleich gibts noch eine Ladung Lehrbuchstoff und dazu einen herrlichen Marzipancapuccino und French Toast.

Auf ein baldiges Wiederlesen.

Die J.

Freitag, 22. Januar 2010

Heavy Rotation


Da Herr Grippe sich nun mit Frau Sinusitis verheiratet hat, darf ich weiterhin die Wände meiner Wohnung von innen betrachten. Halleluja...da ich nicht die gesamte Zeit mein Bettchen hüten will, sitz ich jetzt am Rechner erledige unerledigtes, lese ein wenig da und dort, stöbere auf Shoppingseiten, um mir all das anzuschauen, was liebend gern meinen Kleiderschrank füllen dürfte und höre das neue Hot Chip Album rauf und runter. Karten für das Berliner Konzert sind leider ausverkauft und bei Ebay wird man regelrecht abgezockt, da man dort für eine Karte 49,90 zu löhnen hat. Ich verabscheue diese Menschen, welche Karten in Massen kaufen, nur um sie dann weiter zu verkaufen. Kann man da nicht mal einen Riegel vorschieben. Das hat nix mit gesundem Kapitalismus oder dergleichen zu tun.

Was wohl meine Patienten so machen? Am Montag starte ich erneuten Versuch die Krankenanstalt zu verlassen und meiner Pflicht nachzugehen.

Bis dahin....das Wochenende und Stunden mit Büchern, Filmen, Freunden und Müßiggang warten.

J.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Just picked: Abstrakt Dimenzions EP by Resoe

Just picked: Abstrakt Dimenzions EP by Resoe

Grippig...


...und das in der Probezeit. So hab ich mir das vorgestellt.
Für die Interessierten hier ein Lesevorschlag:
E.Kraepelin "Einführung in die psychiatrische Klinik"

Ausgabe von 1921_ein Buch über die Psychiatrie in epischer Breite. Es wurden die Vorlesungen niedergeschrieben und Herr Kraepelin stellt unter verschiedenen Thematiken, wie "Irresein bei Stoffwechselerkrankungen", "Arteriosklerose und Altersblödsinn" oder noch besser "Melancholie", Patienten vor. Dabei geht es in kurzen Zügen um die Herkunft des Patienten, wir würden das heute als Sozial- und Familienanamnese nennen, um dann ganz ausführlich von beobachteten Krankengeschichten zu berichten. Das ist sehr unterhaltsam und auch lehrreich, da diese alten Lehrbücher sich oft dadurch auszeichnen, dass sie sich nur relativ wenig in Fachwortschatz ergehen und sehr viel mehr Zeit darauf verwandt wird, Zustände und Vorgänge ganz genau zu beschreiben.
Können wir das heute überhaupt noch? Bleibt dafür noch Zeit? Ist ein derartiger Anspruch noch vorhanden?

Ich geh jetzt in mein Bett und nehme das Buch mit, hoffe auf baldige Besserung und wünsche einen guten Tag all denen, die sich verirren in den Tiefen des Netzes.

Ahoi
J.

Sonntag, 17. Januar 2010

Ä.i.W.


Das ist seit dem 1.1.2010 die Abkürzung unter meinem Namen auf einem Namensschild an meiner linken Brustgegend auf einem weißen Kittel und verschaffte mir am zweiten Tage auch schon ein eigenes Zimmer und ein Telefon.
Ich bin jetzt Ärztin in Weiterbildung in der Psychiatrie. Das muss ich dann als Satz wohl einmal so darnieder schreiben. In den vielen Jahren meines Medizinstudiums habe ich mir oftmals meinen Kopf und die Windungen darinnen zerbrochen, welche Fachrichtung ich denn nun anstreben möchte. Viele Wege führen oft sonst wohin, meine Wege und meine Wünsche führten mich in diesen Fachbereich.
Wie viele Menschen um mich herum haben mir doch abgeraten, zu schwer, zu wenig klassische Medizin, zu wenig praktische Handhabe und und und, und "da wirst du doch selber zum Insassen!" All diese Gedanken in den Wind geschlagen, begeb ich mich nun jeden Morgen, zu ziemlich ungemütlich früher Stunde, aus dem Hause, ab in den Zug und die Straßenbahn, um meine Wirkungsstätte für die nächsten 5 Jahre zu erreichen. Nach 2 Wochen Dienst am Menschen kann ich hier postulieren, dass es sich nach einer richtigen Entscheidung anfühlt.

Ja, ich fühl mich manchmal ganz klein, wenn der Berg der Verantwortung doch so groß und die Tragweite der Entscheidungen einen noch nicht ganz abschätzbaren Bogen zieht. Zu jedem angehenden Mediziner kann ich nur sagen, es stimmt, was man landläufig so meint und dann auch ahnt, es ist alles anders, als im Studium. Man weiß nichts, man kann nichts und man muss da allein durch. Hält man den Kopf im Sturm jedoch aufrecht, gelingt es ganz gut, dass Schiff auf Kurs zu halten. Ich persönlich halte ein paar Hilfsmittel als nicht ganz unwesentlich bei dieser wilden Fahrt.

Bereite dich vor, treib es dabei jedoch nicht zu bunt, denn zu viel der Theorie vernebelt das Hirn. Lies Standardwerke. Die wunderbaren Werke, welche den Kolibris gewidmet sind und ach so interessant anmuten, schieb sie für den Moment weg. Dafür ist keine Zeit. Hör gut zu, mach dir viele Notizen, arbeite alles Schritt für Schritt ab, frag immer nach, wenn du unsicher bist - dafür sind die Oberärzte da und notfalls muss man sie ganz sanft daran erinnern. Gib den Schwestern keine Bühne zum Profilieren. Miteinander in gegenseitigem Einvernehmen ist perfekt und absolut fruchtbar für eine gewinnbringende Zusammenarbeit vor allem für den Patienten. Profitiere von der Erfahrung derer, die schon lang vor Ort arbeiten.
Sprich mit den Patienten, beobachte, höre zu, stell Fragen, sei mitfühlend, denk dich hinein und sei du selbst.
Haha leichter gesagt, als getan...

Mir persönlich hilft vor allem der Umgang mit den Patienten. Ich spreche viel mit ihnen, höre zu und beobachte. Man kann so viel entdecken. Die Psychiatrie ist entgegen vieler Meinungen eine exakte Wissenschaft, es gibt Definitionen für einfach alles und bei aller Theorie bleibt doch Raum für den Mensch und das gefällt mir. Ich habe Zeit, mir etwas länger Gedanken zu machen und es bleibt Zeit, die Diagnose zu formen. An jeden Anfänger: nicht verzweifeln, zu Beginn gelingt das nicht ganz so einfach, wenn man zwischen all den Diagnose bildenden Dingen hin- und her jonglieren muss. Da muss man erfahren, warum kommt der Patient, wie ist der Jetzt_Zustand, man soll einen möglichst genauen psychopathologischen Befund dokumentieren, dann gibt es noch Sozialanamnese, Familienanamnese, Allgemeinanamnese, Körperliche Untersuchung, Neurologische Untersuchung.....und und und....und was sind nun die Aufnahmediagnosen, was macht man mit dem Patienten, muss ich Gesetzgebungen beachten, welche Medikamente bekommt er und in welchen Dosierungen, wie funktioniert gleich noch einmal eines der 3 Computerprogramme zur Aufnahme des Patienten, zur Verschlüsselung der Diagnosen und wo verdammt gebe ich die angestrebten Untersuchungen ein??

Wenn ich es recht betrachte, liest es sich nach Chaos namens heillos, ist es aber nicht und deshalb gibt es hier an dieser Stelle demnächst immer ein wenig mehr Licht im Dunkel des Alltags eines Anfängers.

Ahoi und bis dahin.

Die Ä.i.W.

Was es soll...


...es soll von Erfahrungen berichten.
...es soll von Gedanken erzählen.
...es soll Momenten mehr Raum geben.
...es soll ein Stück ich und die Welt sein.

Es darf ein Sammelsurium an nützlichen, unnützlichen, schönen, berauschenden, kleinen und großen, eckigen und runden, das Denken befreienden Sachen und noch viel mehr denkbaren Dingen sein.

Erguss...

Sonntag, 3. Januar 2010

Am Wegesrande...


traf ich auf einen kleinen Mann mit einem großen Hut.

Er fragte nach der Uhrzeit und noch eh ich mich versah, verbeugte er sich und sagte:

"Verzeihung, Verzeihung die Zeit kann man ja nicht messen. Ahoi und bis dahin."

Es geht los..


Morgen!
Tag 1 // der Küchentisch zugemüllt mit all dem Papier und den Seiten und den Inhalten.

Ist die Vorbereitung das halbe Leben?

Es sei.

Mehr dazu an der dann kommenden Stelle.

Ich!