Dienstag, 28. Januar 2014

Alles hat ein Ende

... auch die fürchterlichste Übelkeit vergeht und so konnte ich wieder meinem gewohnten Alltag nachgehen, arbeiten und auch endlich wieder gut essen.
Die Schwangerschaft schritt voran und wir verkündeten die tolle Neuigkeit allmählich im Familien- und Freundeskreis. Dabei entschieden wir uns gegen jegliche Geheimniskrämerei und verkündetet bereits die Namenswahl für das jeweilige Geschlecht. Fritzi, für ein Mädchen und Friedrich für einen kleinen Jungen.
Ja, ja das Geschlecht, das ist so eine Sache, vor allem für den Mann des Hauses. Er war fest davon überzeugt, dass es ein Junge werden würde. Jedes Gespräch darüber, dass ja nun immerhin auch eine 50 % Chance bestünde, dass wir ein Mädchen erwarten würde, wurde jäh unterbrochen und der Mann verkündete, es würde ein Junge, er wisse das ganz genau. Und so brauchte er dann doch eine Weile, als ich ihm verkündete, das Sono sei dafür, dass wir ein kleine Mädchen bekommen. Wir haben dann über seine Wünsche und Erwartungen in Bezug auf das Geschlecht gesprochen und spätestens seit der Geburt ist er der beste Mädchenpapa, den man, den ich mir vorstellen kann. Eine Freundin hatte ihm nach einer von kleinen Kindern gut besuchten Hochzeit im September bereits prophezeiht, dass er ein solcher werden würde. Auch wenn natürlich in erster Linie zählt, dass das kleine Wesen gesund ist und sich gut entwickelt, ist die Geschlechtsfrage eben doch ein Thema. Ich selbst habe mir insgeheim auch am ehesten ein kleines Mädchen gewünscht. Und ich kann nicht genau sagen, was der Ursprung dafür ist. Ganz sicher, dass ich eine Frau bin, auch dass ich es mag, Mädchendinge zu machen, ohne dass mein Leben ausschließlich davon bestimmt wird. Aber vielleicht eben auch, weil ich großen Respekt vor guten und starken Frauenfiguren habe und mir für mein kleines Mädchen so viel gutes in ihrem Leben vorstellen kann.

Einen schönen Sonntag, J. 



Kinder folgen keinem Maßstab

Da ich nicht mehr zu den in den 20ern Mamis gehöre, standen bei uns im Verlauf der Schwangerschaft die Fragen nach weitergehenden diagnostischen Untersuchungen an. Dabei erwies es sich eben nicht unbedingt von Vorteil selber Ärztin zu sein. Ich verließ mich eine gute Weile auf mein sehr gutes inneres Gefühl und verdrängte all die Sorgen, welche im Zusammenhang mit der großen Frage nach der Gesundheit des kleinen Wesens zusammenhängen. Mein Bauch sagte mir, Baby ist gesund und munter, hat 10 Finger und 10 Zehen, die Nase ist dran und alles andere stimmt auch.
Der Besuch beim Feindiagnostiker wurde als eine Art Kür angesehen und als ein Tag an dem der Vater in spe sein kleines Kind mal fast scharf sehen könne. Nach der Untersuchung eröffnete uns der Kollege, dass soweit alles gut sei, jedoch gebe es eine deutliche Auffälligkeit und eine, weniger auffällige. Auffälligkeit Nr. 1 könne er nicht ignorieren und diese würde unsere Wahrscheinlichkeit, eine Kind mit einer Trisomie auf die Welt zu bringen, deutlich erhöhen. Plastisch machte er diese Infos anhand einer Exceltabelle.
War das ein ekelhafter Moment. Mein Kopf begann mit meinem Bauchgefühl zu streiten, schimpfte drauflos und begann die Gefühle durcheinander zu wirbeln. In den kommenden Tagen hatten wir Zeit, alles zu bedenken und zu besprechen. Dabei erwies es sich von großem Vorteil, dass wir mit einem sehr engen Freund auf eine kurze Reise gingen und diverse Standpunkte erörtern konnten. Sollen wir weiter Diagnostik vornehmen lassen, reicht eine genetische Beratung, sollen wir alles so lassen, wie es ist? Was bedeutet ein Kind mit Trisomie, was eines ohne? Können wir das schaffen? Wollen wir das schaffen? Was macht das mit unserem Leben? Was macht das mit unserem Lebensentwurf? Was bedeutet das für eventuelle weitere Kinder?
Dabei war wieder mein Arztdasein die eher abschreckende Komponente. Ich arbeite als Ärztin in Weiterbildung für Psychiatrie und Psychotherapie und in den Bereitschaftsdiensten versorgen wir die gesamte Klinik inclusive einer Station für körperlich und geistig eingeschränkte Menschen, welche zusätzlich psychiatrische Diagnosen aufweisen. Ich bin sehr gern in der Nacht dort, denn ich bewundere die Arbeit des Personals auf dieser Station sehr und viele Patienten sind einfach herzerwärmend. Nichts desto trotz erlebe ich auch dort mal Grenzsituationen, welche Angst machen und uns an unsere Grenzen bringen. Eine sehr einprägsame war mit einem jungen Mann, welcher eine Trisomie 21 aufwies. Was ich da erlebte, hat mich lange beschäftigt.
Im Gegensatz dazu, ist mir eine Patientin aus meinem Praktischen Jahr in Erinnerung, welche für die Trisomie 21 eher ungewöhnlich, bereits Ende 50 war und in der Klinik für Innere Medizin zu diesem Zeitpunkt behandelt wurde. Ich werde nie vergessen, wie sie jeden Morgen zur Visite fröhlich vom Bett sprang und mich nach einigen Tagen begann, zu umarmen. Das war so warm und echt, einfach schön.
Unsere ganz persönlichen Entscheidungen hinsichtlich weiterer Diagnostik und sich daraus ergebenden Folgen, möchte ich hier nicht niederschreiben. Nur so viel, unsere Tochter weist keine Trisomie auf und nach der Schwangerschaft erfuhr ich von meiner Schwägerin, dass deren kleiner Sohn, heute drei Jahre alt, die gleiche Auffälligkeit in der Feindiagnostik zeigte. Er hat ebenfalls keine Trisomie.

Wir respektieren jede Familie und deren Entscheidungen und sind fest davon überzeugt, dass ein jeder diese nur für sich selbst treffen kann. Gute, echte Freunde zu haben und eine Familie, die unterstützt, helfen dabei ungemein.

Einen schönen Dienstag, mit Schnee in B.

J.





Was ziehe ich nur an?

Das habe ich mich eigentlich erst gegen Ende meiner Schwangerschaft immer häufiger gefragt. Vorher hatte ich mir vorgenommen, so wenig, wie nur irgend möglich, neu einzukaufen. Dabei bin ich bis fast zum Schluss sehr gut mit drei Mama Jeans von H&M gefahren, habe über den Sommer lockere Stoffhosen getragen, welche ich unter dem Bauch geschlossen habe und wenn ich mir ein Hemd gekauft habe, wanderte es einfach eine Nummer größer in meinen Einkaufskorb. Die Mama Jeans kann ich sehr empfehlen. Sie sitzen gut, haben im Laufe der Zeit bei mir am Baucheinsatz nur minimal an Elastizität verloren und sehen heute immer noch so gut aus, dass ich sie demnächst einfach weitergeben werde. Die Hemden trage ich heute noch, denn nach der Schwangerschaft steht bei den meisten Mamis ja das Thema Stillen an und da sind diese einfach die beste Möglichkeit, schnell dem Kindlein Nahrung zukommen zu lassen. Auch hier, wollte ich nur auf Still BH´s zurückgreifen und keine Stilltops oder dergleichen kaufen. Und ich kann klar konstatieren, auch das geht. Zumal ich den Stil dieser Kleidungsstücke einfach nicht mag. Bevor meine Tochter auf die Welt kam, hatte ich mir bereits zwei Still BH´s von H&M gekauft und sie probegetragen. Diese kann ich werdenden Mamis leider gar nicht empfehlen, denn sie haben an den Seiten Stützschienen, welche sehr elastisch sind, sich beim Tragen verbiegen und Schmerzen verursachen. Ich habe dann auf die Empfehlung meiner Hebamme zurückgegriffen und mir Still BH´s in Schwarz von Rossmann gekauft. Die sind nicht sonderlich verführerisch, aber schlicht und ok, vor allem bequem und der Verschlussmechanismus vorn ist leicht zu öffnen und zu schließen.
Solange ich noch stille, muss ich allerdings auf Kleider verzichten. Das bedauere ich etwas. Da aktuell jedoch der Winter hier Einzug gehalten hat, hat sich das mit dem Tragen von Kleidern eh erledigt.
Ich hatte ja oft gehört, dass man, wenn man einmal Mami ist, kaum noch Zeit für das eigene Aussehen hat und seine Eitelkeit ad acta legen muss. Das kann ich zum Glück bis heute nur zum Teil nachvollziehen. Was nicht heißt, dass es nicht noch schwerer werden kann.
Am Anfang unserer gemeinsamen Mutter/Tochter Zeit (wenn Papi da ist, geht ein geregelter Tagesablauf viel einfacher vonstatten) habe ich die ganz frühen Morgenstunden genutzt, um zu duschen und mich zu pflegen und mir zu überlegen, was ich anziehe und wenn das gelegentlich nicht klappte, habe ich das eben am Tage nach hinten verschoben. Aktuell klappt es (noch), dass ich meinem kleinen Mädchen nach dem Aufstehen die Windeln wechsle, sie anziehe und sie dann direkt neben mir liegt und aufmerksam betrachtet, was ich denn so im Badezimmer treibe. Gehe ich duschen, dann setze ich sie in die Babywippe. Meine heiß geliebten und ausgedehnten Schaumbäder sind möglich, wenn der Papi aufpasst.
Für mich ganz persönlich, ist es wichtig, etwas Zeit für mein Äußeres zu haben. Es gehört einfach zu meinem Wohlbefinden dazu und ich habe bisher nicht den Eindruck, dass ich davon wertvolle Mutter Tochter Zeit beschneiden muss. Am Anfang habe ich mich noch viel öfter gefragt, wie viel Anrecht ich jetzt auf Zeit nur für mich habe. Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, sich selbst vollkommen hintenan zu stellen. Die Bedürfnisse meiner Tochter habe ich stets im Blick und wir können mittlerweile auch gut miteinander kommunizieren. Fast immer ist es mir möglich herauszufinden, was sie möchte. Im Moment haben wir uns dahingehend also recht gut eingespielt, ich schaffe es sogar, einmal die Woche am Abend etwas für meine Facharztausbildung zu machen.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht und freue mich auf die weiteren Entwicklungsschritte des kleinen Mädchens, welches mein Herz so sehr erwärmt.




J.



Dienstag, 14. Januar 2014

6 Wochen ....

waren das Badezimmer und ich nun nicht ganz freiwillig eng miteinander verbunden. Solch anhaltende Übelkeitstattacken hatte ich bisher weder erlebt, noch konnte ich mir in dieser Zeit vorstellen, dass es nun dann doch endlich mal wieder besser werden könnte. Zumal doch alle Welt oder zumindest viele Frauen immer mit einem so glückseligen Lächeln schwanger durch die Welt laufen. Ich mach es kurz, denn ich will diese Zeit nicht in allen Einzelheiten beschreiben. Nachdem ich nun eine Ahnung bekommen hatte, wie das wohl sein muss, wenn man kaum noch aus dem Bett kommt und beinah depressiv wird, es ging irgendwann wieder bergauf und ich konnte dann sogar meiner wirklich geliebten Arbeit nachgehen.

Halt, beim letzten Post war ich ja stehengeblieben, als ich meinem Liebsten, wohl etwas unsensibel mitten im 24 Stunden Dienst per Telefon mitteilte, dass ich schwanger sei. Am kommenden Morgen holte er mich vom Bahnhof ab, begleitete mich zur Gynäkologin und sein erster Kommentar, nachdem das Ergebnis bestätigt wurde war: "Kaffee trinken kannst du jetzt ja vergessen".
Nachdem ich zuvor im Dienstbett ein paar Stunden bereits alle ersten angstvollen Gedanken zur Seite geschoben hatte, um dem Glücksgefühl ganz viel Platz einzuräumen, war es nun mein Liebster, der seine Ängste mit mir besprach. T. ist freischaffender Künstler und versucht den oft sehr schwierigen Spagat zwischen etwas arbeiten, um zum Leben beizutragen und doch ausreichend Zeit für die Kunst aufbringen. Er äußerte nun berechtigte Ängste. Was, wenn es nun nicht mehr weiterginge? Wie zeitlich alles unter einen Hut bringen und dabei sich selbst nicht vergessen? Wovon leben mit Kind? 
Es hat lang gedauert, bis T. in all den Fragen eine gewisse Lockerheit zurückerlangte und auch ein paar  Antworten gewann. Ich kann sagen, noch heute gehören diese Fragen zu unserem Alltag und das geht wohl allen oder vielen Eltern nicht anders. Vielleicht ist es auch ganz gut so.

Zweifel an der Entscheidung ein Kind zu bekommen hatten wir nie, nur fiel es uns schwer, den berühmten Zeitpunkt zu bestimmen oder ihn zu erkennen. Vielleicht ist es auch eines dieser berühmten Märchen des Lebens und den rechten Moment gibt es einfach nicht. Ein Kind kommt, wann es kommt und es verlangt Bedacht, Organisationstalent, Mut und ganz viel und vor allem Liebe! Wir waren und sind unglaublich glücklich, anders als je zuvor, und so zufrieden mit dem Leben in dem unser kleines Mädchen nun der Mittelpunkt ist.

J.


Sonntag, 12. Januar 2014

September 2012

Der September 2012 sollte eine Art Schicksalsmonat oder sagen wir mal Weichensteller sein. Angang September suchte ich aus einem inneren Antrieb heraus meine Frauenärztin auf. Das Thema "Kind" wurde unverzüglich durch sie angesprochen und der Ultraschall bestätigte einen seit Jahren bestehenden, kaum jemals ausgesprochenen Verdacht auf das PCO Syndrom. Im Grunde ist das eine Symptomsammlung welche bei den meisten Frauen mit Unfruchtbarkeit einhergeht. Meine Gynäkologin riet mir, die jahrelang eingenommenen Kontrazeptiva erst einmal abzusetzen und die ganze Sache wenn möglich entspannt anzugehen. Die Pille abgesetzt habe ich dann erst Ende September, allerdings mit gemischten Gefühlen, denn es fühlte sich nun an, wie ein Test auf Alles oder Nichts und ich erwartete Hautprobleme, welche leider eine Begleiterscheinung des PCO's sind. Mein Mann nahm alles viel gelassener und weniger von wenn und aber Gedanken an. Ein Besuch in einer Spezialpraxis für Kinderwunsch endete damit, dass wir gemeinsam beschlossen, all die Möglichkeiten der Behandlung eher nicht in Anspruch nehmen zu wollen. Wir konnten uns wohl einfach nicht vorstellen, den Körper, meinen Körper, als eine Art Maschine zur Kindeserzeugung zu sehen. Das klingt härter, als es gemeint ist. Ich respektiere jede Frau, die sich dafür entscheidet. Das ist ein mutiger Schritt. Ich hatte viel zu viele Bedenken. In der Folgezeit plagte ich mich mit dem Gedanken herum, unvollständig, nicht funktionierend zu sein. Da mein Mann sich jedoch von diesen, möglicherweise etwas ängstlich hysterischen Gedanken nicht anstecken ließ, nahmen diese ab und ich schob alles etwas in den Hintergrund. Nach einer heftigen Lungenentzündung im Dezember 2012 hatte ich im Januar eine Art emotionales und physisches Überhoch. Genau beschreiben kann ich es gar nicht. Berechnungen zufolge, welche ich viel später anstellte, ist in dieser Zeit unser kleines Mädchen entstanden. Im Februar, während eines Bereitschaftsdienstes, nachdem ich bereits am Wochenende zuvor Veränderungen an meinen Brüsten bemerkt hatte, sie waren geschwollen und fühlten sich schwer an, folgte ich einem
Instinkt und den Worten einer ehemaligen Kinderkrankenschwester aus unserer Klinik. Sie hatte bemerkt, dass ich etwas hibbelig war und am Arzneischrank die Schwangerschaftstests anstarrte. Sie drückte mir einen in die Hand und meinte, wenn Dein Gefühl es Dir ganz sicher sagt, dann mach den Test. So soll es sein.
Und ich lief im Eilschritt auf die Toilette, konnte es kaum aushalten. Das Ergebnis zeigte sich umgehend als nicht zu ignorierend positiv. Voller seltsamer freudig erregter Gefühle rief ich meinen Mann an und es brach nur so aus mir heraus: Du ich glaube, ich bin schwanger. Nein also ich weiß es und der Test hat es soeben bestätigt.

To be continued...

Freitag, 3. Januar 2014

Mal schauen, was daraus wird***

3. Januar 2014 und ich sitze (noch) im Schlafanzug am Esstisch während neben mir ein kleines, ganz bezauberndes Wesen einen kurzen Nap hält.
Es ist viel passiert, seitdem ich zuletzt ein paar Worte und Bilder hier hinterließ. Und es scheint nicht nur mir so zu gehen, dass man von Zeit zu Zeit eine Blogpause einlegen muss. Sei es wegen mangelnder Inspiration, viel zu wenig Zeit, anderer und oder neuer Interessensgebiete, Internettotalausfällen, Umsiedelungen oder einem Sabbatical...
Jedenfalls trug ich mich im letzten halben Jahr immer wieder mit dem Gedanken, meinen Blog neu zu beleben. Und heute, ganz umspektakulär, einfach so, fange ich wieder an zu schreiben.

Worum soll es gehen?! Mein Blog wird seinen Namen behalten und seinen ursprünglich gewidmeten Themen aus meinem Leben treu bleiben UND es wird ein neues, prägendes, ganz wunderbares Thema hinzukommen. Ich bin Mutter geworden und das hat sehr viel mit mir gemacht. Ich möchte einen Teil meines Blogdaseins meiner kleinen Tochter widmen. Ihr eine digitale Hinterlassenschaft erschaffen. Etwas, dass ihr neben all den analogen Eintragungen im Babybuch, es später erleichtert Erinnerungen aufleben zu lassen und sich das Leben ein wenig in Farben auszumalen.

In diesem Sinne, ich bin ganz froh, wieder hier zu sein.

J. *glücklich

Wer auch immer es lesen mag, auf ein schönes 2014!