Donnerstag, 24. April 2014

Welttag des Buches

Obwohl dafür in der jüngsten Vergangenheit eher weniger Zeit war und sich an diesem Umstand in Zukunft auch eher weniger ändern wird, bin ich zuversichtlich, dass die Zeit kommen wird, wo ich mit etwas mehr Freiraum wieder ein gutes Buch in die Hand nehme, mich darin vergrabe und die Geschichte darin sich zu Bildern in meinem Kopf formt. Das klingt aktuell etwas sehr pathetisch, ist jedoch dem Umstand geschuldet, dass man die wenige Zeit, die man für sich allein hat als NEU MAMI mit so wichtigen Dingen, wie Wäsche waschen, Spülmaschine ausräumen, Emails beantworten, Einkaufen und wenn ein Buch hier dann eher mit Fachliteratur verbringt.

Am gestrigen Welttag des Buches wollte Zeit Online drei Dinge wissen und ich fand das ganz passend, diese Fragen hier zu beantworten und diese per Blog an mögliche Lesende weiterzugeben.

1. Was ist Ihr Lieblingsbuch?
Mhm, das ist doch irgendwie doof, ich kann mich bei all dem wunderbaren, was die Literatur zu bieten hat einfach nicht auf nur eines beschränken. Es gibt in meiner Bücherwand Favoriten, die von Zeit zu Zeit neu gelesen und erfahren werden. Manchmal hole ich meine Lieblinge auch einfach nur für ein paar Momente aus dem Regal, lese zwei, drei Seiten, streiche über den Einband und stelle das Buch zurück. Ein gutes Gefühl...
Eines meiner favorisierten Bücher ist, und damit mache ich mir zumeist eher weniger Freunde, die meisten verziehen das Gesicht und erinnern sich an dröge Deutschunterrichtsstunden, Effie Briest von Theodor Fontane. Ich erinnere mich sehr genau, wir hatten eine Vertretungslehrerin für eine gute Weile und sie las mit uns Effie Briest. Leider war ich tatsächlich die einzige Schülerin, die ausreichend Enthusiasmus aufbringen konnte und dieser Enthusiasmus ist für Effie, Major von Crampas und Fontane bis heute geblieben. Mag sein, dass ich im allgemeinen eine große Vorliebe für tragische Liebesgeschichten vor dem Hintergrund der jeweils aktuellen gesellschaftlichen Situation hege. Fontane, ein Vertreter des poetischen Realismus, verstand es hervorragend die jeweiligen Charaktere zunächst gesellschaftskonform im Verlauf jedoch entgegen der Zeitvorstellungen agieren zu lassen, dabei traten deren eigentliche Lebensvorstellungen zutage. Kritik im Privaten wurde somit zur Kritik an der Gesellschaft.

2. Welches Buch müssen Sie noch unbedingt lesen?
Ganz sicher sehr viele und von den meisten weiß ich noch gar nichts.
Aktuell liegt hier Peter Nadas' Parallelgeschichten, ein Lesebuch für Leseangeber, denn die Vielzahl an parallel laufenden, zumeist nicht zusammengehörenden Geschichten, machen es beinah unmöglich, dieses Buch zu lesen, zu lieben, zu begreifen und doch habe ich den festen Willen, dies zu tun. Nicht zuletzt hat dieses Buch eine Literaturquelle gelesen, derer ich Vertrauen schenke.
Angelesen habe ich Maxim Leos`Haltet Euer Herz bereit und es hat mich noch nicht ganz fesseln können, jedoch kam ja auch die Geburt unseres kleinen Mädchens dazwischen. Ein guter Grund also ein Buch zu Seite zu legen. Maxim Leo berichtet von seiner Kindheit in der DDR und das ist etwas, was mich mit ihm verbindet. Schon eine geraume Weile beschäftigt mich diese Thematik, welche sich zu einer Identitätssuche entwickelt hat. Dazu an anderer Stelle ganz sicher mehr.

3. Welches Buch würden Sie niemals in die Hand nehmen?
Diese Frage macht mich etwas ratlos, da mir keins einfallen mag. Ich habe Bücher sehr gern und sicher gibt es einige, die mir nichts sagen, mich nicht berühren, deren Inhalt einfach an mir vorbeigeht, die ich nicht lesen will, weil ich deren Aussage womöglich abscheulich finde und, und, und...
Was ich tatsächlich nicht so gern mag, ist es aktuell populäre Bücher zu lesen. Bestenlisten habe ich mir noch nie angeschaut und ein Buch wird gelesen, wenn die Zeit dafür reif ist. Für manche, so scheint es, ist sie dann eben niemals reif.

Mich würde schon interessieren, was der oder die Lesende denkt?
J.

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Mittwoch, 16. April 2014

Weil es nun beinah sechs Monate sind...

wird es so langsam Zeit, von Deiner Geburt zu berichten. Um werdenden Mütter, die Chance zu geben, unbeeinflusst, Ihre Erfahrungen zu machen, vorab ein paar Zeilen.

Ich selber habe wirklich nur ein paar wenige Geburtsberichte gelesen, denn mir wurde sehr schnell klar, einfach jede Geburt ist ganz individuell und egal, wie man es sich vorstellt, es kommt dann doch weitgehend anders. Man kann und darf sich vorbereiten, aber darüber habe ich ja bereits berichtet. Soweit möglich, helfen Entspannung und Aktivierung der inneren Freude auf das, was kommt, auf das Wunder, welches tatsächlich alles übertrifft. Fragt Euch, ob Ihr wirklich einen weiteren Geburtsbericht lesen wollt oder ob Ihr Euch das nicht für Mußestunden;) danach aufheben möchtet.

Errechnet war Dein Geburtstermin nach einer ersten frühen Korrektur für den 16.10.2013. Der Termin kam heran, aber Du zeigtest wenig Hinweise darauf, dass Licht der Welt erblicken zu wollen. Mit jedem Tag näher an den 16.10. heran, wurden wir neugierig darauf, wie Du wohl aussehen würdest mein liebes kleines Mädchen. Ein letzter CTG Kontrolltermin am errechneten Termin in der Praxis meiner Gynäkologin verlief gut und ohne echte Auffälligkeiten, nur solltest Du etwas an Größe abgenommen haben, was per Sonographie eher sehr unzureichend bestimmt werden kann, jedoch hinreichend als Grund für eine Überweisung in die Klinik herhalten sollte.
Am Sonntag, dem 20.10.13 stellten wir uns planmäßig um 13 Uhr zum Kontroll CTG vor. Wehentätigkeit wurde hierbei zwar aufgezeichnet, aber gemerkt habe ich davon einfach nichts und muttermundwirksam waren diese leider auch nicht. Gehen durfte ich dann jedoch auch erst nach einigen Stunden, da Deine Herzfrequenz langanhaltend erhöht war, was am Flüssigkeitsmangel lag und alsbald durch Infusionsgabe ausgeglichen war. Ein weiterer Termin wurde für den kommenden Morgen 08:00 vereinbart. Wir nutzten den Heimweg für einen langen Spaziergang zum Abendessen. Bereits nach einer Viertelstunde Fußweg bekam ich dann plötzlich Wehen, welche spürbar wurden, rasch zunahmen und sich als sehr regelmäßig anfühlten. Beim Essen maßen wir die Abstände und wurden von dreieinhalb Minuten doch sehr überrascht. Vor lauter Aufregung konnte ich nun kaum mehr etwas essen, mein Bauch sagte mir nun recht deutlich, dass Du dieser Welt Guten Tag sagen wolltest. Wir riefen in der Klinik an und berichteten von den aufgetretenen Änderungen, liefen nach Hause, holten die Tasche und fuhren erneut in die Klinik. Hier wurden wir wieder sehr nett Willkommen geheißen und die Untersuchung ergab 2 cm Muttermundseröffnung. Da es jetzt nun doch recht schnell dazu gekommen war und meine Schmerzen weiter zunahmen, sollte ich aufgenommen werden, jedoch vorab noch etwa anderthalb Stunden spazieren gehen. Bei unserem Weg durch die nähere Umgebung musste ich mich dann immer wieder an Deinem Vater festhalten und so langsam auch einzelne Wehen veratmen. Uns blieb in den Pausen immer noch genug Raum zum Lachen, denn wir gaben ganz sicher ein seltsames Bild ab und auch jetzt, während ich dies hier niederschreibe, habe ich ein Schmunzeln auf den Lippen.
Zurück in der Klinik wurde ich erneut untersucht, am Muttermund hatte sich nun nichts mehr getan, ich erhielt ein leichtes Schmerzmittel und wurde gebeten, im Zimmer auf der Wöchnerinnenstation etwas zu schlafen, Dein Vater ging nach Hause, sollte sich ausruhen und vorbereiten. Mittlerweile war es etwa 23:30. Im Zimmer angekommen, packte ich aus und konnte mich dabei schon kaum auf den Beinen halten, legte mich ins Bett und hielt es auch dort nicht aus, lief auf dem Flur hin und her und ward doch sehr überrascht von der Qualität des Schmerzes. Ich gebe auch heute noch ganz offen zu, dass ich das so nicht erwartet hatte. Ich ging wieder in den Kreissaal. Eine erneute Untersuchung ergab keine Änderung, ich erhielt ein i.m. Schmerzmittel und ging zurück. Die Nachtschwester massierte meine Lendenwirbelsäule und ich lächelte verhalten einer sich ebenfalls auf dem Flur der Ankunft ihres Babys wegen befindlichen Mami zu. Nach nur kurzer Zeit nahmen die Schmerzen weiter zu, ich ging noch mal zum Kreissaal und siehe da, nun hatte sich doch tatsächlich etwas am Muttermund getan. Die Hebamme rief Deinen Vater an, während ich bereits im Kreissaal lag. Inzwischen hatte ich mich doch für eine PDA entschieden, denn die Schmerzen hatten mich so überrascht, dass ich einfach keinen guten Weg finden konnte, mich darauf einzulassen. Dies zog sich etwas, inzwischen war dann auch Dein tapferer Vater eingetroffen. Zwischenzeitlich platzte auch meine Fruchtblase, zumindest teilweise.
Die Aufklärung zur PDA ging dann ganz schnell vonstatten und vom Druck oder Schmerz der Nadel war kaum etwas zu spüren. Die PDA half mir etwa eine Stunde den Wehenschmerz zu veratmen, dann nahm der Schmerz wieder zu und leider kam die schon aus den ersten Wochen der Schwangerschaft bekannte Übelkeit hinzu. Nun ja, auch diese verging und die Stunden ebenfalls, aber Du wolltest noch nicht so recht heraus. Was mein Zeitgefühl anbelangt, waren die vergehenden Stunden für mich kaum messbar und irgendwann konnte ich auch viele andere Dinge nicht mehr so recht wahrnehmen, da ich einen inneren Dialog mit meinem Körper führte. Meinen Mann nahm ich nur durch seine Berührungen war, meine Augen waren zumeist geschlossen. Bei Tageslicht und nach Schichtwechsel der Hebammen füllte sich dann auf einmal der Kreissaal und Kolleginnen im Kittel waren zu sehen. Aus den Augenwinkeln sah ich eine Saugglocke und meine Gedanken überschlugen sich, erst "Oh Gott die Saugglocke" dann "Nun kommst Du gleich und wir haben es geschafft". Warum ich meine ganz "Wut zusammennehmen sollte, um zu pressen" habe ich bis heute nicht verstanden, aber innerhalb dreier Wehen kamst Du auf die Welt mein kleines Babymädchen. Du mein geliebter kleiner Schokoladenkuchen. Du warst ganz leise und ich plötzlich auch. Dein Papa übernahm nach unser beider körperlicher Erstkontakt die Versorgung zusammen mit der Hebamme und dann konnten wir uns endlich ausgiebig erfühlen. Du hattest Haare mein Mädchen, ein Fakt den Dein Vater und ich immer wieder mal diskutiert hatten, Du wirktest so zerbrechlich, Dir war nicht nach Schreien zumute und Du lagst ganz friedlich zusammengerollt in meinen Armen. Das werde ich niemals vergessen und es war der Beginn der zweiten großen Liebe meines Lebens. Der Liebe zu Dir mein kleines Mädchen.

Der Vollständigkeit halber, kann ich zur Nachgeburt noch berichten, dass diese unmittelbar nach Deiner Ankunft meinen Körper verließ und das ganz ohne Schmerz und vollständig.

Nun waren wir zu dritt und sind in den letzten Monat mit Dir gemeinsam zusammengewachsen. Die Liebe ist so groß und wächst mit jedem Tag, den wir mit Dir verleben dürfen weiter, nimmt an Qualität zu und lässt uns zu oft staunen über das, was Leben ist.

Danke dafür, Deine Mama.